Kinderreanimation: Atemweg, Medikamente und Strom

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Nach dem Video zu den Grundlagen der Kinderreanimation sprechen wir im zweiten Teil mit Dr. Philipp Jung über erweiterte Maßnahmen gespickt mit guten Tipps aus der Praxis: Wie geht man bei der Atemwegssicherung vor, wie dosiert man die Medikamente korrekt und welche Fallstricke lauern bei der Defibrillation?

Atemwegssicherung

Zentraler Punkt der Atemwegssicherung: Luft muss sein! (Oxygenierung und Ventilation!)

Auch die meisten erfahrenen Notfallmediziner/innen sind keine routinierten Kinder-Intubateure. Daher die klare Empfehlung: BASICS FIRST! Nicht durch Intubation andere Maßnahmen verzögern!

Als supraglottischer Atemweg wird von der Kinder-Notfallmedizin ganz klar die Larynxmaske präferiert („SGA = Larynxmaske“), möglichst eine Maske der neueren Generation mit Magensonden-Kanal.

Eine Variante der Beatmung ist:

1.) Masken-Beutel-Beatmung
-> falls das nicht klappt:
2.) Masken-Beutel-Beatmung mit Optimierung (2-Hand-Methode zur Fixierung der Maske, Guedel-Tubus)
-> falls das nicht klappt:
3.) Larynxmaske (möglichst 2.Generation)

Bei extremem (initialen) Personalmangel kann auch ev. primär eine Larynxmaske eingesetzt werden.

Magenüberblähung

Frühzeitig (spätestens wenn der Magen visuell überbläht ist) an Magen-Entlastung denken. Magensonde optimalerweise über den Magensonden-Kanal des (2.Generations-)Larynxmaske schieben. Tipp vom Profi: Aktiv (z.B. mit Perfusorspritze) Luft aspirieren!

Sonderfall: Fremdkörper

Bei V.a. Bolusobstruktion: Vor Beatmung Mundraum inspizieren. Was sichtbar ist: Entfernen!

Tipp: Meistens klappt – auch bei tieferen Obstruktionen – die Masken-Beutel-Beatmung noch relativ gut. Auch hohe Drücke akzeptieren.

Bei hochgradigem Verdacht auf tiefere Obstruktion: Als „last resort“ ev. Versuch der Intubation, mit Tubus Fremdkörper aktiv vorschieben (meist dann in den rechten Hauptbronchus), Tubus wieder auf Bifurkationsebene zurückziehen und den anderen Lungenflügel ventilieren.

Medikamentengabe

Generell: Auf kognitive Hilfsmittel zurückgreifen! (Lineal, Kindertabellen – wir haben auch unsere eigenen Kindernotfallkarten erstellt, frei zum Download)

Adrenalin

Dosierung: 0,01mg pro Kilogramm Körpergewicht

Eine Möglichkeit der Gabe. Adrenalin „wie üblich“ 1:10000 aufziehen = 1mg auf 10ml (oder Fertigspritze nutzen). Dann Dreiwegehahn an die Spritze und mit einer 1ml (oder 2ml) Spritze die gewünschte Dosis abziehen.

0,1ml (= ein „Teilstrich“ der 1ml-Spritze) entspricht dann einem Kilogramm.

Beispiel:
5kg Kind => 0,5ml
10kg Kind => 1ml

Amiodaron

Dosierung: 5mg pro Kilogramm Körpergewicht

Bei pur aufgezogenem Amiodaron (150mg auf 3ml = 50mg/ml) ist die Applikationsmenge genau gleich:

0,1ml pro Kilogramm Körpergewicht

Strom / Defibrillation

4 Joule pro Kilogramm Körpergewicht

Wenn Defi keine genaue Einstellung ermöglicht – nächsthöhere Stufe wählen.

Position: Entweder anterior/posterior oder Apex/Sternum.

Wichtig: Die Elektroden sollten sich NICHT berühren! Vorher nachsehen, ob die Elektroden kinder-tauglich sind oder ob spezielle Kinder-Elektroden vorgehalten werden.

Tipp zum Abschluss: Telefonnummer der nächsten Kinder-Intensivstation im Telefon speichern!

Quellen und mehr Infos:

Bei den fantastischen Kindernotfalltagen in Garmisch

Leitlinien ERC / GRC Kapitel 6 (Pediatric Life Support)

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Autor: Martin Fandler

I like EM, critical care, prehospital EM, medical education and #FOAMed too.

12 Kommentare zu „Kinderreanimation: Atemweg, Medikamente und Strom“

    1. Hallo Thomas,

      mit L-Adrenalin meinst du wahrscheinlich die Verdünnung 1mg ad 10ml, richtig? (= 100µg/ml).
      Dann passt das genau, was du geschrieben hast: 10kg Kind = 1ml, 20kg Kind 2ml, 30kg Kind 3ml. Ich würde da in der Praxis maximal in 5er-Schritten (1ml-1,5ml-2ml) vorgehen.
      CRM-technisch muss man einfach SEHR aufpassen, dass nicht in der Hitze des Gefechts analog zu Erwachsenen-CPR einfach in einem Zyklus die ganze Ampulle mit 1mg verabreicht wird.

      1. Das liegt natürlich bei dir. In der Praxis fände ich es etwas verwirrend und auch zeitaufwändig 3 1ml Spritzen aufzuziehen.
        Ich mache es so, dass ich die „ganz normale“ Verdünnung (1mg auf 10ml in einer Spritze) aufziehe und dann ab 10kg KG die jeweiligen Mg verabreiche (z.B. bei 30kg Kind 3ml). Merkspruch: 10kg = 1ml.

  1. Cooler Artikel. Im Abschnitt Adrenalin hat sich ein kleiner Schreibfehler in der Dosierung eingeschlichen. Die korrekte Dosierung entspricht 0.01mg/kg KG.

    1. Ist korrigiert, vielen lieben Dank!! Ein klassisches Beispiel für einen Flüchtigkeits-Fehler – und ebenso tolles Beispiel für „CRM“ – die sofortige Korrektur durch die Community 🙂
      Daher auch die Wichtigkeit der Nutzung von Hilfsmitteln bei der Dosisfindung! 😉

  2. Moin!
    Beim Adrenalin hat sich im Text der böse 10er-Fehler eingeschlichen:

    Dosierung Adrenalin:
    10 mikrog/kg, das sind 0,O1 mg/kg oder 0,1 ml/kg der 1:10000 Lösung.

    Herzliche Grüße!

  3. Toller Post zu einem angstbehaftetem Thema! Weiter so!
    Toll wäre zum Thema vielleicht ein NerdFact-Sheet, welches man ausdrucken und in die Mappe des NEF legen könnte, um im Fall eine Merkhilfe dabei zu haben!
    Ich war dieses Jahr bei einem EPALS-Kurs des ERC – wer Handlungssicherheit beim Thema Kindernotfälle allgemein und der Reanimation haben will, dem empfehle ich diesen Kurs (insofern irgendwann wieder möglich) wärmstens!

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