Analgesie in der Notfallmedizin
Analgesie gehört zu den zentralen Skills in der Notfallmedizin und ist einer der häufigsten Gründe für den Besuch in der ZNA oder die Alarmierung des Rettungsdienstes. Patientenseitige Faktoren spielen dabei eine ebenso wichtige Rolle, wie persönliche Erfahrungen und einsatztaktische Erwägungen.
Das pdf zu dieser Folge findet Ihr hier:
Fact 1 – ANALGESIE ≠ SEDIERUNG!
Analgesie ist ein zentraler Skill in der Notfallmedizin. Sie ist ein Grundrecht und daher gebotene medizinische Pflicht. Schmerz ist einer der häufigsten Gründe für die Vorstellung in der ZNA und für Notarzteinsätze. Midazolam ist nicht analgetisch wirksam. Eine durch Notfallsanitäter*innen anhand von Standards durchgeführte Analgesie ist effektiv und sicher.

Fact 2 – DOSIERUNGSVORSCHLAG!

Esketamin und Fentanyl können bei starken Schmerzen eingesetzt werden. Die Wahl des Medikamentes, Verabreichungsform und Dosierung obliegt dem fachkundigen Anwender und wird nur durch diesen verantwortet.
Das perfekte Analgetikum existiert bisher nicht. Daher ist die Wahl des Analgetikums individuell zu treffen und von persönlichen Faktoren des Anwenders, patientenseitigen Faktoren und einsatztaktischen Abwägungen abhängig.
Fact 3 – ANALGESIE BEI KINDERN!
Kinder haben ein Recht auf suffiziente Analgesie. Die Eltern können eine unterstützende Rolle spielen und sollten möglichst eingebunden werden. Die intranasale Applikation ist eine gute Alternative. Ein Zugang kann dann sekundär etabliert werden. Es sollen stets Dosierhilfen (z.B. die DIVI-Kindertabellen oder die Notfallguru-Tabellen) verwendet werden. Bei Säuglingen und Kleinkindern ≤ 6 Jahre wird eher empfohlen (Es)ketamin statt eines Opioids zu nutzen.
Fact 4 – GERIATRISCHE PATIENTEN!
Durch Veränderungen der Pyhsiologie verändern sich auch Pharmakodynamik und -kinetik. Nebenwirkungen sind häufiger. Polypharmazie ist ein relevantes Risiko für Arzneimittelinteraktionen und UAW. Häufig bestehen Komorbiditäten. Dosierungen sollten sorgfältig gewählt werden. Lieber mit weniger beginnen. „Start low – go slow“.
Fact 5 – SCHWANGERE!
Wenig Erfahrung und schlechte Datenlage. Embryotoxische Effekte berücksichtigen. Mittel der 1. Wahl ist Paracetamol. Ibuprofen nur im 1. und 2. Trimenon erlaubt. Opioide bei starken Schmerzen möglich, jedoch Gefahr der Atemdepression des Neugeborenen bei Einsatz unter der Geburt. Infos zu Arzneimitteln in der Schwangerschaft auf www.embryotox.de.
Quellen und weiterführende Infos:
https://www.notfallguru.de/kindertabellen
https://www.notfallguru.de/leitsymptome/kindernotfall/kinderschmerz
https://www.notfallguru.de/leitsymptome/skills/schmerz
https://www.notfallguru.de/leitsymptome/tabellen-und-checklisten/intranasal
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Eschbach, T., Grüneck, S. (2020) SOP intranasale Applikation von Medikamenten im Notfall, in: Notfallmedizin up2date 15, 02, S. 120-124.
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